Benthem Crouwel

Die Welt ist im Umbruch. Sich verändernde soziale Verhaltensmuster schaffen eine neue Wahrnehmung des öffentlichen Raums. Innovative Technologien erlauben uns, uns mehr denn je zu vernetzen. Ungezügelter Individualismus befeuert Fantasiewelten und Massenveranstaltungen. Rapide schwindende Ressourcen zwingen zur Suche nach ökologischer Balance und Nachhaltigkeit. Die Gebäude, welche diese Veränderungen  aufnehmen, einfassen und beherbergen, tragen immer noch die Begriffe aus dem 19. Jahrhundert: Bahnhof, Warenhaus, Museum, Konzerthalle, Lagerhaus. Dennoch hat sich ihre Bedeutung radikal verändert.
 
Auf dieser Grundlage thematisieren Benthem Crouwel anhand von Beispielen fünf Bauaufgaben, deren Anfänge u.a. bis in das Zeitalter der Industrialisierung zurückreichen, deren aktuelle Anforderungen sich jedoch seit dem und in den letzten Jahren vor allem unter dem Einfluss der neuen Medien weit von ihren ursprünglichen Inhalten entfernt hat. So ist ein Museum längst nicht mehr nur Ort für kontemplativen Kunstgenuss und in einer zeitgenössischen Konzerthalle finden Events aller vorstellbarer Genre statt. Ebenso ist ein Bahnhof heute weit mehr als ein Ort nur für Reisende und werden in bestimmten Lagerhäusern Unmengen von Daten anstatt von Waren aufbewahrt. Eine relative Konstanz ist allenfalls dem Typus Kaufhaus zuzuschreiben, wenn man die permanente Anpassung an sich änderndes Konsumverhalten als Kontinuum definieren möchte. So sind diese Gebäudetypen einerseits “archetypisch”, andererseits ist ihre aktuelle Konfiguration untrennbar mit dem jeweiligen Stand der gesellschaftlichen und technologischen Entwicklung verbunden. Diese Ausgangslage stellt eine immense Herausforderung für Architekten dar, den sie müssen für diese Dualität eine zeitgenössische Lösung finden: Einerseits müssen derartige Gebäude in der von Marken dominierten Konsumwelt eine hohe Unverwechselbarkeit aufweisen, andererseits müssen sie in gewisser Weise extrem flexibel sein, um ökonomisch angemessen auf veränderte Nutzungen und Anforderungen reagieren zu können.
Wie das funktionieren kann, zeigen Benthem Crouwel anhand von fünf Projekten, die sie beispielhaft den von ihnen benannten Archetypen zuweisen: Das Stedelijk Museum, Amsterdams berühmtes Museum für moderne und zeitgenössische Kunst, das 2012 saniert und mit einem spektakulären Anbau erweitert wurde; den Ziggo Dome (2012), Hollands neueste Konzerthalle für 17.000 Besucher; die Rotterdam Central Station (2014), ein Bahnhof, der täglich von 300.000 Fahrgästen benutzt wird; das Datacenter AM3 (2012), das sich in einem der weltweit größten Internetzentren befindet; sowie das Forum Mittelrhein (2013) in Koblenz, dessen Fassade in Anlehnung an lokale Tradition einem Blattwerk aus Weinblättern gleicht.
Um unseren Blick zu weiten formulieren die Architekten ihr Credo und fordern uns gleichzeitig auf: See, read, listen to the meaning of these buildings. Come and be the public, feel the vibe, go with the flow, make the connection and dream…

Benthem Crouwel: Ziggo Dome, 2012 (Foto: Jannes Linders)
Benthem Crouwel: Ziggo Dome, 2012 (Foto: Jannes Linders)
Eröffnung: Donnerstag, 16.1.2014, 19.00 Uhr
Begrüßung: Ulrich Müller
Einführung: Dirk Laucke
Dauer: 17.01.1.3.2014
Architektur Generator Berlin 
Donnerstag, 27.2.2014, 19.00 Uhr
Lucas Verweij im Gespräch mit Mels Crouwel und Markus Sporer
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)
Ausstellungsansicht (Foto: Jan Bitter)